Hey, ich bin Christoph. 18 Jahre alt, heterosexuell und hab mir gestern drei Twilight-Filme hintereinander angeschaut.
Okay, jetzt wo ich es mir noch einmal vor Augen führe klingt es doch ziemlich paradox, weniger wahr ist es deshalb nicht. Der ganze Quatsch lief im Rahmen der bundesweiten "Twilight-Trippel"-Aktion, bei der man sich bereits mehrere Tage vor dem offiziellen Kinostart selbstdestruktiv Eclipse, den dritten Teil der Serie, zu Gemüte führen konnte. So kam es also, dass Chris und ich die Initiative ergriffen und wir uns zusammen mit unzähligen 13-19 jährigen, schluchzenden, nervösen Mädchen Selbiges antaten. 12:00 ging es los: Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen. Ein schrecklicher Film: eine flache Geschichte, durch überschnelle Kamarafahrten überdeckte, miserable Spezialeffekte und nicht zuletzt die unglaublich stupiden Dialoge - pfui! Ich zitiere: Charlie: "Dein Haar ist länger!" Bella: "Ich habe es das letzte mal abgeschnitten, als wir uns gesehen haben." Charlie: "Dann sind sie wohl wieder länger geworden." Fragezeichen, mehr kann ich dazu nicht sagen.
Auch gut fand ich folgende Perle der Dichtkunst: Edward: "Ich bin Edward. Und du bist Bella" - Bella (nach einer langen Pause und einem tiefen Blick in seine Augen): "Ich weiß!"
Auch gut fand ich folgende Perle der Dichtkunst: Edward: "Ich bin Edward. Und du bist Bella" - Bella (nach einer langen Pause und einem tiefen Blick in seine Augen): "Ich weiß!"
Der zweite Film reiht sich nahtlos in dieses Begeisterungspektrum ein, ich kann ihn ebenfalls nicht empfehlen. Anzumerken ist, dass zumindest beim Soundtrack kaum Raum für Kritik bleibt. Trotzdem: die Zeit verging langsam, die Flasche in meiner Hand war inzwischen leer. Twilight - mein Beileid.

Und dann kam der große Augenblick: Der Kinosaal würde zum dritten Mal gedimmt und es erschien der Schriftzug: Twilight-Eclipse. Und ich muss sagen: ich war positiv überrascht. Man muss sich eingestehen: Die Geschichte ist noch flacher als die der ersten beiden Teile. Ich will nicht viel verraten, im Wesentlichen geht es um eine zombieähnliche Vampirarmee und die verzweifelten versuche Bellas, mit Edward zu schlafen. Dazu kommt, dass der Soundtrack im Vergleich zu den ersten beiden Teilen wesentlich schlechter geworden ist. Ach ja: sinnlos brutal ist der Streifen auch. Warum der Film dennoch einen guten Eindruck hinterlassen hat? Das flache Geschwafel ist smarten, durchaus witzigen Dialogen gewichen. Die schauspielerischen Fähigkeiten sind überzeugend, wenn auch nicht außergewöhnlich. Der Hauptgrund aber, warum ich den Film mit einem guten Gefühl sehen konnte: die Fremdschämmomente fehlen. Nicht vollständig, frisch gekämmte Emokrieger die böse gucken wirken immer noch lächerlich, aber im Gegensatz zu Teil I und Teil II überwiegen diese Momente nicht.
Wer also zuviel Geld, bekloppte Freunde, den Wunsch eine Freundin (schluchzend, 13-19 Jahre) zu finden und / oder genug Alkohol im Blut oder Rucksack hat, kann sich die ersten beiden Filme anschauen. Teil 3 empfehle ich allen, die vorurteilsfrei an romantisch-kitschige Filme herrangehen können. Ob der Film nun eine absolute Messe oder doch nur gesundes Mittelmaß ist, scheint fragwürdig. Sicherlich wird man den Kauf der Kinokarte zumindest nicht bereuen.
Wunderbare Kritik. Überdenke die Chance einen lukrativen Neebenjob zu haben, ich hab mich köstlich amüsiert! :D
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